Wie Sie wissen, können, wollen und dürfen wir über das Internet keine Ratschläge und Empfehlungen zu einer individuellen Diagnose oder Therapie geben.
Allgemein kann man sagen, daß man bei der Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen die Behandlung nur dann umstellen sollte, wenn man sicher beurteilen kann, daß sie nicht erfolgversprechend ist. In einem solchen Fall sollte man dann allerdings auch nicht zu lange eine einer unwirksamen oder unzureichend wirksamen Behandlungsstrategie festhalten.
Im Fall von Infliximab (Remicade) wirkt die Substanz nicht bei allen Patienten gleich und insbesondere nicht bei allen Patienten gleich schnell. So kann es durchaus sein, daß bei einigen Patienten schon nach der ersten oder zweiten Infusion eine deutliche Wirkung eintritt, bei anderen dagegen erst im Verlauf von etwa 3 Monaten. Wenn bis zu diesem Zeitpunkt überhaupt keine Wirkung zu verzeichnen ist, macht eine Fortsetzung der Behandlung im Regelfall keinen Sinn. Auch dies kann aber nur in Kenntnis aller Krankheits- und Behandlungsdaten und des genauen Befundes und Krankheits- und Behandlungsverlaufs entschieden werden.
Wenn der eine TNF-alpha-Blocker nicht oder nicht ausreichend wirkt, muß dies nicht unbedingt bedeuten, daß dies auch bei einem anderen so ist. So wissen wir aus einer Reihe von Studien, daß Enbrel wirken kann, wenn zuvor Remicade nicht gewirkt hat, oder umgekehrt. Humira ist noch nicht so lange in der breiten Anwendung, so daß wir hier noch nicht über so umfangreiche Erfahrungen verfügen wie bei den anderen Substanzen. Die ersten Daten zeigen aber hier, daß Ähnliches wie für die Enbrel und Remicade gilt.
Humira ist allerdings derzeit noch nicht für die Therapie des M. Bechterew offiziell zugelassen, so daß es Schwierigkeiten mit der Kostenübernahme durch die Krankenkasse geben könnte. Da Sie allerdings privat krankenversichert sind, bestehen in Ihrem Fall andere und günstigere rechtliche Rahmenbedingungen als bei der gesetzlichen Krankenversicherung, die die Kosten einer solche Behandlung aus rechtlichen Gründen in der Regel nicht übernehmen darf, auch wenn sie wollte.
MabThera wurde bislang bei der Behandlung von rheumatischen Erkrankungen nur in Einzelfällen und in kleinen klinischen Studien eingesetzt. Dabei zeigte sich eine gute Wirksamkeit bei der rheumatoiden Arthritis. Meines Wissens gibt es bislang noch überhaupt keine Erfahrungen mit dem Einsatz von MabThera bei der Behandlung eines M. Bechterew.
Persönlich verfüge ich über eine Einzelfallbeobachtung bei einem Bechterew-Patienten, der zunächst gut auf Remicade angesprochen hatte und dann diese Behandung aber wegen zunehmender Nebenwirkungen nicht weiter bekommen konnte. Da die (private) Krankenversicherung aus Gründen, die mir bis heute nicht verständlich sind, eine Therapie mit dem IL-1-Blocker Anakinra (Handelsname Kineret) bevorzugte, habe ich ihn mit einem sehr guten Ergebnis mit dieser Substanz behandelt. Die Therapie wird nun mit anhaltender Wirksamkeit und bei guter Verträglichkeit etwas mehr als 3 Jahre durchgeführt. Der guten Ordnung halber muß man ergänzen, daß parallel dazu wöchentlich 15 mg Methotrexat gegeben werden.
Wenn insofern bei Ihnen TNF-alpha-Blocker aus welchen Gründen auch immer nicht oder nicht mehr gegeben werden können oder sollen, wäre ein solcher Therapieversuch u.U. eine weitere mögliche Alternative.