Frage aus der Kategorie: Allgemeine Fragen zur TNF-alpha-Therapie bei rheumatischen Erkrankungen
Sie stellen eine spannende Frage, wenn Sie nach der sogenannten Differentialindikation für eine TNF-alpha-blockierende oder eine Il-1-blockierende Therapie fragen, d.h. wann der Einsatz von TNF-alpha-Blockern und wann der Einsatz von Il-1-Blockern sinnvoll ist.
Symptome oder Erkrankungen im Bereich des Magens bzw. Darms spielen dabei nur mittelbar eine Rolle, nämlich wenn es um die Frage geht, ob eine Arthritis im Rahmen einer entzündlichen Darmerkrankung vorliegt, speziell eines M. Crohn oder einer Colitis ulcerosa, die beide mit einer Gelenkbeteiligung einhergehen können. Dies ist bei Ihnen nicht der Fall, wenn Ihre Diagnose eine rheumatoide Arthritis / chronische Polyarthritis ist.
Grundsätzlich werden die Substanzen aus der Gruppe der biologischen Medikamente („biologicals“) bei einer rheumatoiden Arthritis immer dann eingesetzt, wenn die Behandlung mit den traditionellen langwirksamen Antirheumatika („Basismedikamenten“) nicht oder nicht ausreichend wirksam ist.
Ob man dann in erster Linie auf ein Medikament aus der Gruppe der TNF-alpha-Blocker oder auf den IL-1-Blocker Anakinra zurückgreift, hängt von den Umständen im individuellen Einzelfall ab. In der Regel wird man aus einer Reihe von Gründen zunächst meist einen TNF-alpha-Blocker wählen, u.a. auch deshalb, weil der Wirkungseintritt sehr schnell ist und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass diese Substanz wirkt.
Es gibt allerdings auch Patienten, die auf eine TNF-alpha-blockierende Therapie nicht oder nicht überzeugend ansprechen und bei denen eine Therapie mit dem IL-1-Blocker gut wirkt. Leider wissen wir bislang im voraus nicht, bei welchen Patienten dies der Fall ist und bei welchen nicht.
Es gibt andererseits bei einer Reihe von Patienten gute Gründe, in der ersten Linie („first line“) nach Versagen der konventionellen Basistherapie nicht einen TNF-alpha-Blocker, sondern Anakinra (Handelsname Kineret) einzusetzen. Dabei spielen vor allem auch Verträglichkeitsgesichtspunkte eine Rolle oder auch Begleiterkrankungen.
Kommen TNF-alpha-Blocker zur Anwendung, richtet sich die Auswahl aus den drei unterschiedlichen Präparaten (Adalimumab, Handelsname Humira, Etanercept, Handelsname Enbrel, Infliximab, Handelsname Remicade) ebenfalls nach den Gegebenheiten des Einzelfalls. Gesichtspunkte sind dabei die unterschiedlichen Verabreichungsformen (Infusion im Fall von Remicade, subkutane Injektion = Spritzen unter die Haut im Fall von Enbrel und Humira), die unterschiedliche Verträglichkeit, speziell auch das unterschiedliche Risiko im Hinblick auf eine Tuberkulose-Infektion und nicht zuletzt auch Kostenargumente. Ein weiterer wichtiger Gesichtspunkt ist, dass Remicade nur in Verbindung mit Methotrexat (MTX) gegeben werden kann, während bei der Therapie mit Enbrel und Humira zwar auch eine Kombinationstherapie mit Methotrexat einer Monotherapie mit dem TNF-alpha-Blocker allein überlegen ist, diese Substanzen aber auch in der Monotherapie eingesetzt werden dürfen.