Frage aus der Kategorie: Allgemeine Fragen zur TNF-alpha-Therapie bei rheumatischen Erkrankungen
Welches Krankheitsbild bei Ihnen im Augenblick genau vorliegt und warum die Therapie derzeit nicht mehr so wirkt wie zu Anfang, ist aus der Ferne nicht zu beurteilen.
Allgemein kann man sagen, daß es Unterschiede zwischen den einzelnen TNF-alpha-Blockern gibt. So sind Infliximab (Remicade) und Adalimumab (Humira) sogenannte TNF-alpha-Antikörper, während Etanercept (Enbrel) ein sogenannter löslicher TNF-alpha-Rezeptor ist. Im Ergebnis blockieren alle genannten Medikamente das TNF-alpha. Allerdings ist der zugrunde liegende Mechanismus unterschiedlich. Dies ist der Grund, warum Remicade oder Humira bei dem einen Patienten wirken und Enbrel nicht, oder umgekehrt. Aus dem unterschiedlichen Wirkmechanismus leiten sich auch die unterschiedlichen möglichen Nebenwirkungen ab, z.B. ein unterschiedlich hohes Tuberkulose-Risiko.
Wenn es unter einer laufenden Therapie mit einem TNF-alpha-Blocker zu einem Wirkungsverlust kommt, kann dies viele Ursachen haben. Bei Remicade kommt es bei einem Teil der Patienten zur Bildung von Antikörpern gegen den in diesem Medikament enthaltenen Mausanteil. Dadurch wird die Wirkung zunehmend abgeschwächt. Man merkt dies daran, daß die Abstände zwischen den Infusionen immer kürzer werden müssen, um dieselbe Wirkung zu erzielen, oder daß die Dosis immer höher werden muß. Manchmal muß sowohl die Dosis erhöht werden als auch der Abstand zwischen den Infusionen verkürzt werden.
Bei manchen Patienten beruht der Schmerz nicht auf entzündlichen Veränderungen, sondern ist muskulär bedingt, in manchen Fällen auch fibromyalgisch. Hier kann die TNF-alpha-Blockade naturgemäß nicht wirken. Die Therapie muß dann entsprechend um andere Maßnahmen ergänzt werden, die sich auf diese anderen Problembereiche richten.
Wichtig ist, daß vor Ort genau geklärt ist, worauf die im Vordergrund stehenden Probleme beruhen, und daß man hier gezielt die entsprechende Therapie zusammenstellt.
Zum zweiten Teil der Frage:
Adalimumab (Humira) ist in den Ländern der Europäischen Union und damit auch in Österreich für die Therapie der chronischen Polyarthritis (rheumatoiden Arthritis) zugelassen. Positive Studienergebnisse liegen vor für die Behandlung der Psoriasis-Arthritis (Arthritis bei Schuppenflechte); eine Zulassung für diese Anwendung liegt aber für Humira derzeit noch nicht vor. Ebenso ist Humira nicht für die Therapie der ankylosierenden Spondylitis (M. Bechterew) zugelassen.
Zum letzten Teil der Frage:
Die übliche Dosierung von Enbrel bei der Therapie der ankylosierenden Spondylitis (M. Bechterew) ist 2 x 25 mg pro Woche. In einigen Fällen reicht diese Dosis allerdings nicht aus, vor allem bei Patienten mit einem Körpergewicht, daß sehr deutlich vom medizinischen Standardgewicht von 70 kg abweicht.