Einteilung und Spektrum der rheumatischen Erkrankungen  
 
 

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Rheuma kommt aus dem Griechischen und bedeutet eigentlich einen ziehenden, reißenden Schmerz. Heute umfasst das Gebiet der Rheumatologie ein breites Spektrum von Krankheitsbildern im Bereich des Bewegungssystems und des Bindegewebes. Dies beinhaltet die Erkrankungen z.B. an Gelenken, Gelenkkapseln, Schleimbeuteln, Knochen, Muskulatur, Sehnen oder Sehnenscheiden ebenso wie entzündliche Gefäßerkrankungen (Vaskulitiden) und Erkrankungen, die durch eine Störung oder Fehlregulation des Immunsystems hervorgerufen werden (Autoimmunerkrankungen).

"Rheuma" ist damit keine Diagnose im engeren Sinne, auch keine einheitliche Krankheit. Vielmehr fallen unter den Oberbegriff "Rheuma" etwa 400 einzelne Erkrankungen, die sich zum Teil ähneln, die aber zum Teil auch völlig unterschiedlich sind. Dies betrifft nicht nur die Krankheitsursache, sondern auch der Art ihrer Symptome, ihren Verlauf, ihre Behandlung und die möglichen Krankheitsfolgen.

In einer verbreiteten Einteilung, so zum Beispiel auch im Rheumabericht der Bundesregierung, werden die rheumatischen Erkrankungen in drei große Gruppen eingeteilt:

  • die entzündlichen rheumatischen Erkrankungen
  • die degenerativen rheumatischen Erkrankungen
  • die weichteilrheumatischen Erkrankungen.

Zu den wichtigsten entzündlichen rheumatischen Krankheiten zählen insbesondere:

  • die chronische Polyarthritis, eine chronisch entzündliche Erkrankung der Gelenke und des Bewegungssystems, die sich aber auch als Allgemeinerkrankung und an den verschiedensten Organsystemen manifestieren kann,
  • die Psoriasisarthritis (Gelenk- und Wirbelsäulenbeteiligung bei Schuppenflechte),
  • die Spondylitis ankylosans (Bechterew´sche Krankheit, M. Bechterew), eine chronisch entzündliche Wirbelsäulenerkrankung, die sich aber auch außerhalb der Wirbelsäule an den Gelenken und anderen Strukturen des Bewegungssystems äußern kann und bei der es z.T. ebenfalls zu unterschiedlichen Organmanifestationen kommt,
  • die damit verwandte Krankheitsgruppe der seronegativen Spondarthritiden (Spondylarthropathien),
  • die infektreaktiven Arthritiden und die durch Borrelien hervorgerufene Arthritis (Borreliose, Lyme-Arthritis),
  • die Kollagenosen (entzündliche Bindegewebserkrankungen), die eine Gruppe von meist schweren Allgemeinerkrankungen mit vorwiegender Manifestation im Bereich des Bindegewebes umfassen und die mit multiplem Organ- und Gelenkbefall einhergehen, sowie die
  • die Vaskulitiden (entzündliche Gefäßerkrankungen), die sich ebenfalls mit schweren Allgemeinsymptomen äußern und vor allem durch die Beteiligung zahlreicher Organe zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen können.

Die große und zahlenmäßig weitaus bedeutsamere Gruppe der nicht-entzündlichen, alters- oder verschleißbedingten degenerativen rheumatischen Erkrankungen umfasst vor allem die Arthrosen (degenerative Gelenkerkrankungen), die durch lokale Veränderungen an Knorpel, Knochen und Bindegewebsteilen verschiedener Gelenke gekennzeichnet sind und die zeitweilig auch reaktiv entzündliche Phasen durchlaufen können,

  • die Spondylosen (degenerative Wirbelsäulenerkrankungen), die durch lokale Veränderungen an den Gelenken und den Zwischenwirbelscheiben der Wirbelsäule charakterisiert sind und die teilweise auch mit einer Beeinträchtigung der aus dem Rückenmark austretenden Nerven einhergehen können, sowie
  • die Osteoporose (Knochenschwund), die durch eine Reihe von anderen Erkrankungen und auch bestimmte Medikamente wie Cortison hervorgerufen wird, die aber mit dem Nachlassen der schützenden Wirkung der weiblichen Hormone auf den Knochen vor allem bei Frauen nach den Wechseljahren fast schicksalhaft zu einem Verlust von Knochenmasse, einer Störung der knöchernen Mikroarchitektur und einer erhöhten Knochenbrüchigkeit führt.

Die weichteilrheumatischen Erkrankungen sind eine z.T. noch ungenau definierte Krankheitsgruppe mit unterschiedlichen Schmerzsyndromen und teilweise vorübergehenden Veränderungen an Muskeln, Sehnen, Schleimbeuteln und dem Unterhautbindegewebe.

Im Hinblick auf den Krankheitsverlauf und die Prognose unterscheidet man rheumatische Erkrankungen, die eher günstig verlaufen, von schwer verlaufenden rheumatischen Krankheitsbildern mit eher ungünstiger Prognose.

Zu den schwerwiegend verlaufenden rheumatischen Krankheiten werden insbesondere folgende Erkrankungen gezählt:

  • die entzündlich-rheumatischen Erkrankungen der Gelenke, der Wirbelsäule, des Bindegewebes und der Gefäße (d.h. die Arthritiden, Spondylitiden und Spondylarthritiden, Kollagenosen und Vaskulitiden),
  • die (oft stoffwechselbedingten) Polyarthropathien (z.B. sekundäre polyartikuläre Arthrosen) sowie
  • die invalidisierend verlaufenden generalisierten muskuloskeletalen Schmerzsyndrome, wie z.B. die Fibromyalgie.
 
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