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Gerade bei Krankheitsbeginn ist es selbst für einen erfahrenen Rheumatologen manchmal schwierig, eine chronische Polyarthritis sicher zu diagnostizieren. Nicht immer liegt bereits zu Anfang das charakteristische Krankheitsbild mit den zugehörigen Befunden vor. Dies gilt auch für die Laboruntersuchungen, u.a. auch den Nachweis des Rheumafaktors (RF) im Blut. Zwar sind die Laborbefunde bei der Diagnosestellung hilfreich und für die Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen unverzichtbar. Gerade zu Krankheitsbeginn einer rheumatoiden Arthritis sind aber typische Laborbefunde oft noch nicht vorhanden.
So fehlen bei etwa einem Drittel der Patienten zu Anfang die typischen Entzündungszeichen im Blut, beispielsweise die Erhöhung der Blutsenkung (Blutkörperchensenkungsgeschwindigkeit, BSG) oder des c-reaktiven Proteins (CRP).
Ähnliches gilt für den Rheumafaktor, dessen Bezeichnung eine wichtige Rolle bei der Diagnostik einer rheumatoiden Arthritis annehmen lässt. Der Rheumafaktornachweis im Blut ist aber nicht gleichbedeutend mit der Diagnose einer rheumatoiden Arthritis; umgekehrt schließt das Fehlen eines Rheumafaktors die Diagnose einer rheumatoiden Arthritis nicht aus.
So ist auch der Rheumafaktor bei Krankheitsbeginn oft nicht im Blut nachweisbar. Und selbst im weiteren Krankhheitsverlauf ist der Rheumafaktor nur bei etwa der Hälfte der Patienten positiv. Außerdem findet sich ein positiver Rheumafaktornachweis auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei einem kleinen Teil von völlig Gesunden. Der Rheumafaktor liefert damit für die Diagnose zwar eine wichtige Zusatzinformation, aber nicht den letztendlich richtungsweisenden Befund.
Entscheidende Elemente für die Diagnose einer chronischen Polyarthritis sind eine detaillierte Patientenbefragung (Anamnese) und eine ausführliche körperliche Untersuchung mit besonderem Schwerpunkt auf der Erhebung des sogenannten Gelenkstatus. Wesentliche weitere Befunde ergeben sich aus Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen und ggf. weiteren Untersuchungen wie Ultraschalluntersuchungen, Knochenszintigraphie oder Kernspintomographie.
Wichtige Anzeichen einer rheumatoiden Arthritis sind u.a.:
- Gelenkschmerzen vom entzündlichen Typ, d.h. Schmerzen in den Gelenken, die in Ruhe oder sogar in der Nacht auftreten, mit zunehmender Ruhigstellung der Gelenke stärker werden und mit zunehmender Bewegung zurückgehen
- Überwärmungsgefühl oder sogar ein Hitzegefühl und Brennen in den Gelenken
- Besserung der Symptome unter Kälteeinwirkung, z.B. unter kaltem Wasser
- Schwellungen der Gelenke, d.h. Weichteilschwellungen in den Gelenken und um die Gelenke, möglicherweise in Verbindung mit einem Gelenkserguß (vermehrter Produktion von Gelenkflüssigkeit)
- Beteiligung mehrerer Gelenke mit einem typischen Gelenkbefallsmuster, d.h. insbesondere die Beteiligung der Fingergrundgelenke und der Fingermittelgelenke und der Zehengrundgelenke
- "Symmetrischer" Gelenkbefall, d.h. Beteiligung von Gelenken in den verschiedenen Gelenkregionen auf beiden Seiten des Körpers, z.B. im Zeigefingergrundgelenk und Mittelfingergrundgelenk rechts und im Daumengrundgelenk und im Ringfinger- und Kleinfingergrundgelenk links
- Ausgeprägte Morgensteifigkeit, die nicht nur ganz kurz anhält, sondern eine halbe Stunde und länger andauert und z.T. sogar über den ganzen Vormittag oder den ganzen Tag nicht verschwindet
Als Orientierung für die Diagnose einer chronischen Polyarthritis dienen die Kriterien des American College of Rheumatologie (ACR = wissenschaftliche Fachgesellschaft der amerikanischen Rheumatologen). Diese sogenannten ACR-Kriterien wurden allerdings nicht als diagnostische Kriterien für einen einzelnen Patienten entwickelt, sondern als epidemiologische Kriterien für die Vergleichbarkeit von wissenschaftlichen Studien. Sie sind deshalb zwar ein guter Anhalt für die Diagnosestellung, dürfen letztendlich aber nicht als das maßgebliche Instrument und vor allem auch keinesfalls als das alleinige Instrument für die Diagnose verwendet werden.
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Kriterium |
| 1 |
Morgensteifigkeitin oder um die Gelenke (mindestens 1 Stunde) |
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Arthritis in 3 oder mehr Gelenkregionenmit Schwellung oder Erguss |
| 3 |
Arthritis der Gelenke der Hand:Handgelenke; Fingergrundgelenke oder Fingermittelgelenke |
| 4 |
Symmetrische Schwellung (Arthritis)derselben Gelenke auf beiden Seiten des Körpers |
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Rheumaknotenunter der Haut, über Knochenvorsprüngen oder in Gelenknähe |
| 6 |
Nachweis des Rheumafaktors im Serum (Blutuntersuchung) |
| 7 |
Typische Veränderungen einer rheumatoiden Arthritis im Röntgenbildz.B. gelenknahe Osteoporose (Entkalkung) oder Erosionen (Knochendefekte) |
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Insgesamt 4 der 7 Merkmale müssen erfüllt sein. Die Kriterien 1 - 4 müssen mindestens 6 Wochen bestehen. |
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