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Das Ziel der modernen Therapie einer Psoriasis-Arthritis bzw. Spondarthritis ist es, das Eintreten von röntgenologisch sichtbaren Veränderungen an Knochen, Gelenken oder Wirbelsäule zu verhindern.
Leider beginnt aber eine adäquate Therapie der Psoriasis-Arthritis oftmals erst spät, nicht zuletzt wegen der beschriebenen diagnostischen Probleme. Deshalb sieht man bei einer größeren Zahl von Patienten bereits bei der Erstdiagnose charakteristische Veränderungen im Röntgenbild, die dann die Diagnosestellung selbst bei solchen Patienten erlauben, bei denen aktuell keine Psoriasis an der Haut nachweisbar ist oder bei denen sich die Psoriasis bislang im Krankheitsverlauf noch nicht an der Haut manifestiert hatte.
Bei der radiologischen Diagnostik der Psoriasis-Arthritis sind insbesondere Röntgenaufnahmen der Füße und der Hände hilfreich.
Pathognomonisch, d.h. erkenntnisleitend für die Psoriasis-Arthritis sind dabei das Nebeneinander von Knochenabbau und Anbau, d.h. innerhalb eines Gelenks das gleichzeitige Auftreten von knöchernen Erosionen und periostalen, von der Knochenhaut (Periost) ausgehenden proliferativen Veränderungen (Abb. 12). Diese Proliferationen manifestieren sich als kleine "spiculae" oder Protuberanzen, d.h. als zarte bzw. auch als gröbere knöcherne Austreibungen im Bereich der Kapselansätze und des Periost, an den Endgliedern von Fingern oder Zehen auch als nebeneinanderstehende kleine Verknöcherungen, die dem Knochen wie ein zarter Bürstensaum aufsitzen ("Wollkragen").
 - Abb. 12: Schematische Darstellung von typischen Röntgenbefunden bei der Psoriasis-Arthritis. Spikulae, Nebeneinander von proliferativen und erosiven Veränderungen, Protuberanzen, Wollkragen und "Pencil-in-Cup"-Phänomen
Ebenfalls charakteristisch für die Psoriasisarthritis sind ausgeprägte, sich rasch entwickelnde Knochenzerstörungen mit einem Abschmelzen der Knochensubstanz von beiden Seiten eines Gelenkköpfchens sowie mit einer entsprechenden Aushöhlung der gegenüberliegenden Gelenkanteile (Abb. 11). Da diese Veränderungen sehr an das Bild eines Füllhalters in seiner Kappe erinnern, wird dieser für die Psoriasis-Arthritis charakteristische Röntgenbefund auch als "pencil-in-cup"-Phänomen bezeichnet.
Der umgekehrte Befund sind rasch fortschreitende knöcherne Durchbauungen des Gelenkspalts mit einer schnell eintretenden Versteifung des Gelenks (knöcherne Ankylosen).
Der charakteristische Röntgenbefund der Psoriasis-Spondarthritis ist der Parasyndesmophyt (Abb. 14a-c). Er unterscheidet sich durch typische Merkmale von dem Syndesmophyten als dem klassischen Röntgenbefund beim M. Bechterew, außerdem vom Spondylophyten als dem röntgenologischen Kennzeichen einer Spondylose, d.h. einer verschleißbedingten, degenerativen Wirbelsäulenerkrankung.
 - Abb. 14a: Röntgenbild der Wirbelsäule bei Psoriasis-Spondarthritis. Typischer, stierhornförmiger Parasyndesmophyt. Im darüberliegenden Wirbelsäulensegment pontefizierende, den Bandscheibenraum knöchern überbrückende Parasyndesmophyten (pontefizierend von lat. Pons = Brücke).
 - Abb. 14b: Röntgenbild der Wirbelsäule bei Psoriasis-Spondarthritis. Parasyndesmophyten unterschiedlicher Form und Größe.
 - Abb. 14c: Röntgenbild der Wirbelsäule bei Psoriasis-Spondarthritis. Schlankere und gröbere, z.T. pontefizierende Parasyndesmophyten.
Im Gegensatz zum Syndesmophyten, der sich als zunächst zarte Verknöcherungsfigur entlang der Bandverbindung von der einen zur anderen Wirbelkörperkante entwickelt, geht der Parasyndesmophyt nicht direkt von der Wirbelkörperoberkante zart und steil nach oben oder unten, sondern entwickelt sich als sogenannter proliferativer Knochenanbau unabhängig von dieser vorgegebenen Bandstruktur ein kleines Stück unterhalb oder oberhalb der Wirbelkörperecke und beginnt neben dem Wirbelkörper (para = griech. neben, daneben), um von dort aus zunächst ein Stück zur Seite und dann nach oben bzw. unten zu wachsen. Nicht selten wächst er auch am gegenüberliegenden Wirbelkörper vorbei, ohne dort einen knöchernen Anschluß zu gewinnen (Abb. 15).
 - Abb. 15: Schematisch Darstellung von Röntgenbefunden an der Wirbelsäule bei Psoriasis-Spondarthritis, ankylosierender Spondylitis (M. Bechterew) und Spondylose. Parasyndesmophyten, Syndesmophyten, Spondylophyten und paradiskale Ossikel.
Ein weiteres radiologisches Kennzeichen, d.h. Röntgenmerkmal der Psoriasis-Spondarthritis sind paradiskale Ossikel (von griech. diskus = Bandscheibe und lat. ossiculum = Knöchelchen). Dabei handelt es sich um mehr oder weniger grobe Verknöcherungsstrukturen, die sich im Röntgenbild neben dem Bandscheibenraum darstellen.
Wie alle seronegativen Spondarthritiden ist auch die Psoriasis-Spondarthritis durch eine Beteiligung der Kreuz-Darmbein-Gelenke (Sakroiliakalgelenke) charakterisiert. Im Gegensatz zum M. Bechterew ist die Entzündung im Bereich dieser Gelenke (Sakroileitis) aber oft asymmetrisch, sehr häufig sogar nur einseitig. Dabei kann auf den Röntgenaufnahmen auf der einen Seite eine fortgeschrittene Sakroileitis im Stadium 4 mit einer vollständigen knöchernen Durchbauung des Gelenks vorliegen und auf der gegenüberliegenden, anderen Seite ein völlig unauffälliges Sakroiliakalgelenk zu sehen sein (Abb. 16).
 - Abb. 16: Sakroileitis bei Psoriasis-Spondarthritis. Typisch ist die asymmetrische Manifestation. Im vorliegenden Fall ist das linke Kreuz-Darmbein-Gelenk fast vollständig knöchern überbrückt (ankylosiert), d.h. der Gelenkspalt stellt sich im oberen Abschnitt nur noch schemenhaft dar (röntgenologisches Stadium IV der Sakroileitis). Die gegenüberliegende, rechte Seite ist dagegen nicht betroffen.
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